Kurzgeschichten, ob gute, schöne, moderne, traurige oder Liebes-Erzählunen, Hermann Jonas, Autor, Dichter und Denker brennt mit
seinen Gedichten und Kurzgeschichten über Liebe, Hass, Alltagsstress und Wünsche die Gehirne frei und lässt Herzen vibrieren.
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Schriftsteller richtig gelandet. Sein Gedichte- und Kurzgeschichtenband Herzattacken ist zur Zeit noch ein Geheimtipp,aber Vorsicht !,
sein Buch sollte nur in Anwesenheit eines Notarztes gelesen werden.

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Aus dem Buch Herzattacken:

Zwei Augen


Ich musste schon lange hier sein, jedenfalls meinte ich, das aus dem Reden der Leute, die mich ab und zu besuchen kamen, heraushören zu können.

Mein Nachbar schweigt mich an. Wahrscheinlich wollte er mir nicht erzählen, wie schwer es um mich steht.

War ich im Koma?? Oder bin ich noch im Koma, ich konnte nichts erkennen.

Ja ! Ich muss im Koma gelegen haben, ich erinnerte mich an die Worte " ich denke, also bin ich", also bin auch ich !! - Wie könnte ich sonst über das Koma nachdenken.

Ich konnte mich auch nicht an mich selbst erinnern, wer ich war und wo ich herkam, wahrscheinlich hatte ich einen Unfall.. mit Gedächtnisverlust, so was soll es geben.

Mein Gedächtnis würde schon wieder kommen, beruhigte ich mich, und meine Augen würden auch bald wieder sehen können.

Etwas erleichtert über meine eigenen Feststellungen und darüber, dass ich überhaupt in der Lage war, welche treffen zu können, schlief ich ein.

Und wenn nicht ?? war mein erster Gedanke, als ich wieder wach wurde. Panik stieg in mir auf, ich hatte Angst, blind zu sein, nie wieder sehen zu können.

Ich konnte mich auch nicht erinnern, wie es war, sehen zu können, ob es schön oder ob es besser war, nichts zu sehen.

Das ist es, dachte ich so bei mir, deswegen redet keiner mit mir, ich bin blind und keiner will es mir erzählen. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte meinen Nachbarn, was mit meinen Augen los wäre.

Ich erzählte ihm über meine Angst, nie wieder sehen zu können, dass es schrecklich ist, weil alles so dunkel ist.

Etwas unwillig antwortete dieser, dass er es mir auch nicht beschreiben könne und ich solle ihn zufrieden lassen.. und außerdem meinte mein Nachbar, dass ich morgen entlassen werde, entlassen in die Welt, und dass ich auch bald wieder sehen könne, ich sollte nicht den Mut verlieren, bald ist es soweit, ein Freund von mir würde mich abholen kommen, wir würden spazieren fahren, und bald wäre ich wieder topfit und könne auch wieder sehen.

Heute soll es losgehen, man will mich abholen für eine Spazierfahrt mit meinem Freund. Ich war ganz aufgeregt vor Freude, endlich.., aber dann fiel mir auf, dass ich mich auch nicht an meinen Freund erinnern konnte, da wurde ich wieder traurig, am liebsten hätte ich geweint und verfiel ins Grübeln.

Was ist tief, fragte ich mich, kann man tief sehen ? Ist es tiefer als von meinen Augen bis zum Boden oder ist es noch tiefer.

Wie fühlt sich tief an, wenn man es sieht ?.

Da kam mein Freund und holte mich ab. Und wie versprochen, machten wir eine Spazierfahrt. Mir wurde auf einmal ganz warm. Sonne -, das muss Sonne sein , Sonne wärmt, Sonne lässt Leben erblühen, Sonne ist hell und .. ach ja, Sonne kann man sehen.

Allmählich wurde mir die Spazierfahrt zu lang und ich spürte, wie meine Haut immer kälter wurde, schade - dachte ich, ich hätte so gerne die Sonne gesehen.

Und dann war es soweit, ich wollte es erst gar nicht glauben, aber meine Augen öffneten sich ganz langsam und ich begann zu sehen.

Endlich..

Dankbar vor soviel Glück, wieder sehen zu können, nahm ich mir vor, mir alles genau einzuprägen, falls, aber nur falls ich einen Rückschlag erleiden würde, dann könnte ich davon zehren und meinem Nachbarn könnte ich auch alles erzählen.

Noch ganz benommen von so viel Licht bemerkte ich, wie die Bilder immer klarer wurden, ich konnte schon die Straße erkennen und ganz am Ende der Straße sah ich den Himmel und am Himmel sah ich die untergehende Sonne.

Ich fing an zu jubilieren und wollte nun unbedingt auch die Gegenstände rechts und links von der Straße in mich hineinsaugen.

Da fing mein Freund an zu fluchen, schimpfte mit mir über soviel Unvernunft und schrie mich an, ich sollte doch auf der Straße bleiben.
Aber das interessierte mich nicht, mit aller Macht versuchte ich nach links und nach rechts zu schauen, bis die Bilder zu tanzen anfingen. Sie tanzten so stark, bis mir schwindelig wurde und plötzlich sah ich sie, die Tiefe !!

Ich riss meine Augen ganz weit auf, ich wollte jeden Augenblick festhalten, nichts vergessen.

Das ist also tief, ein riesiger Mund zwischen den Bergen, der immer näher kam.
Das Ende des Mundes konnte ich noch nicht erkennen, aber ich würde abwarten, mal sehen, wie tief Tief ist, und ich war ganz gespannt, ob man Tiefe auch schmecken kann.

Ich hörte noch, wie aus der Ferne, meinen Freund schreien, bis..

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Ich musste schon lange hier sein, jedenfalls meinte ich, das aus dem Reden der Leute, die mich ab und zu besuchen kamen, heraushören zu können...